
Wir freuen uns, dass wir die Reitschule für eines der Feste im Jubiläumsjahr gewinnen konnten. Außerdem sind wir an den Geburtsstätten der Weissen Feste dran: Wir versuchen das erste Fest in der Kunstakademie oder in der Max Emanuel Brauerei unterzukriegen .... sehr schwierig! - aber wir tun, was wir können.

Tradition der weissen Feste

Von der Akademie der Künste in die Max Emanuel Brauerei, in Den Alten Simpl und das Park Café
DIE WEISSEN FESTE HABEN EINE LANGE TRADITION
Die „Weissen Feste“ sind ein Münchner Faschings-phänomen mit künstlerischem Ursprung und kultischer Strahl-kraft. Ihre Wurzeln reichen zurück ins Jahr 1967, als der Künstler Heimrad Prem gemeinsam mit Lothar Fischer, Otto Dressler und Fongi Gartung das erste „Weisse Fest“ ins Leben rief. Die weiteren Feste fanden dann ab 1968 in der Max-Emanuel-Brauerei in der Maxvorstadt. Ziel war ein radikaler Kontrast zu den traditionellen Bällen der Stadt: ein Fest in Weiß – als Farbe der Reinheit, Erotik und Provokation.
Die Künstler verwandelten den Saal in ein Gesamt-kunstwerk: mit weißen Stoffbahnen, selbst getöpferten Kerzenständern, Spitzendeckchen, UV-Licht und fluores-zierenden Akzenten. Die Gäste trugen weiße Kleidung, bemalten ihre Haut weiß, tranken aus weißen Gefäßen und tanzten auf einem weißen Boden. Zur Mitternacht wurden Weißwürste serviert – ein ironischer Gruß an die Münchner Tradition.
Musikalisch wurde das Fest zur Geburtsstunde der „Anima Musica“: Limpe und Paul Fuchs präsentierten erstmals ihre experimentellen Klänge auf selbstgebauten Instrumenten. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 26. Februar 1968 von „mystischer Musik“ und einer „Atmosphäre in Weiß, die voller Spannung war“.
Seit Jahren kursiert die Behauptung, die Weissen Feste seien ursprünglich aus finanziellen Gründen entstanden – angeblich hätten sich Kunststudierende in der Akademie einfach auf „Weiß“ geeinigt, weil jeder etwas Weißes im Schrank habe. Diese Geschichte ist zwar weit verbreitet, aber schlicht falsch, jedenfalls was das Motiv angeht: Das Weiß war keine Sparmaßnahme.
Wo das erste Weiße Fest 1967 stattfand, ist nicht bekannt, wahrscheinlich in der Kunstakademie. Die weiteren Weissen Feste fanden dann aber ab 1968 sicher in der Max-Emanuel-Brauerei statt – von Anfang an aber waren sie ein bewusst gestaltetes Kunstprojekt. Das Weiß war keine Notlösung, sondern ein ästhetisches Statement: Licht, Reinheit, Erotik, Provokation – inszeniert mit UV-Licht, Aktmalerei und selbstgebauter Dekoration. Die Idee war nicht Sparsamkeit, sondern radikale Sinnlichkeit.
Nach mehreren legendären Ausgaben in den 1970er Jahren wurde die Tradition über Jahrzehnte hinweg fortgeführt. Die Weissen Feste fanden regelmäßig statt – zunächst in der Max-Emanuel-Brauerei, bis ein Pächterwechsel die Fortführung dort unmöglich machte. Lediglich während der Corona-Jahre kam es zu einer zweijährigen Unter-brechung.
Der Name „Weisse Feste“ ist übrigens kein Schreibfehler, sondern ein typografisches Relikt: In älteren Druckver-fahren war das „ß“ oft nicht verfügbar – man behalf sich mit „ss“. So wurde aus „Weiße Feste“ das „Weisse Fest“ – und der Name blieb. Ein charmantes Echo aus der Zeit des Bleisatzes, das heute fast schon ikonisch wirkt.
Heute sind die Weissen Feste weit mehr als ein Geheimtipp: In München gibt es kaum jemanden, der nicht schon einmal dort war – ob als Kunstliebhaber, Faschingsfreund oder einfach aus Neugier. Sie gehören zum festen Inventar der Stadt, wie der Englische Garten, die Wiesn und das erste Weißbier im Frühling. Wer nie auf einem Weissen Fest war, war nie wirklich im Fasching.
Wir freuen uns auf Sie und werden Sie herzlich willkommen heißen!









